KONTRABASS-HISTORIE

Hier einige Artikel aus der bei SCHOTT erschienenen SPERGER-Biographie „Da er einer unserer besten Virtuosen ist“ von Klaus Trumpf

Der Glücksfall - zwei bedeutende Pädagogen für den jungen Sperger

Wie mag Sperger zum Instrument Kontrabass gekommen sein? Was hat ihn bewogen gerade dieses Instrument zu erlernen? Sei es, wie es will – er hatte jedenfalls das große Glück, dass er zu zwei der bedeutendsten und zu dieser Zeit erfahrensten Lehrer, die in Wien tätig waren, Kontakte aufnehmen konnte. Vielleicht von seinem Gönner Fürst Liechtenstein aus seiner Heimatstadt Feldsberg, initiiert?

Wie auch immer die Umstände, die Zufälle waren – das Glück bescherte Sperger einmal als Theorielehrer den Komponisten und erfahrenen Musiktheoretiker, den späteren Lehrer von Beethoven Johann Georg Albrechtsberger (1736-1809), der ihn ab 1767 in Komposition unterrichtete  – und ab 1769 den Instrumental-Lehrer, den Kontrabass-Virtuosen Friedrich Pischelberger (1741-1813) der sich neben dem 6 Jahre älteren Josef Kämpfer in der 2.Hälfte des 18.Jahrhunderts ebenfalls einen bedeutenden Namen als Kontrabass-Solist erspielt hatte.

Beide Lehrer waren nicht sehr viel älter als Sperger, aber eben doch schon so weit erfahren, dass sie bei ihrem Schüler ein so großartiges Fundament legen konnten!

Friedrich Pischelberger, nur 9 Jahre älter als Sperger, hatte schon 1769 mit seinen 28 Jahren, als er der Lehrer von Sperger wurde, eine beachtliche Karriere als Kontrabass-Solist aufgebaut.

Er hatte in den Jahren zwischen 1765 und 1769 im ungarischen Nagyárad, bekannt als Großwardein (nach dem 1.Weltkrieg nun das rumänische Oradea), wo er der Solokontrabassist in der dortigen Hofkapelle war, einige Kontrabass-Konzerte initiiert und uraufgeführt.

Es war die Zeit, als er in der Kapelle des Bischofs von Großwardein Adam Freiherr von Patácic (Patachich) von Zajezda gemeinsam mit dem Konzertmeister und Komponisten Václav (Wenzel) Pichl(1741-1805) unter der Leitung des Kapellmeisters Carl Ditters (1739-1799) musizierte.

 

Die ersten Kontrabass-Konzerte

Im damaligen Nagyárad - bekannt als Großwardein im österreichisch-ungarischen Vielvölkerstaat - entstanden die ersten Kontrabasskonzerte zwischen 1765-1769

Was war das für ein Ort? Was gab es dort für ein Orchester? Welche Komponisten lebten dort?  Der etwa 500 km östlich von Wien gelegene Ort Großwardein (Nagyárad) gehörte zu dieser Zeit zum Königreich Ungarn innerhalb der österreichisch-ungarischen Monarchie. –

Nach dem ersten Weltkrieg musste Ungarn trotz größerer Bevölkerungszahl die Stadt an Rumänien abtreten und heißt seitdem Oradea.

Im 18. Jahrhundert residierte hier der Bischof Freiherr von Patácic. Hochgebildet war er u.a. Berater der Kaiserin Maria Theresia. Er unterhielt eine Kapelle, die ab 1765 unter der Leitung von CarlDitters(dorf) musizierte. Sein Solokontrabassist war Friedrich Pischelberger und der KonzertmeisterVáclav (Wenzel) Pichl.

Diese drei jungen, aufstrebenden Musiker waren freundschaftlich verbunden und  begannen neue Ideen zu entwickeln.

Mit enormem Tatendrang gingen sie ans Werk und hatten sicher ihre Freude am Experimentieren – und so war es ein Glücksfall, dass der außergewöhnlich energiegeladene Friedrich Pischelberger seine Freunde zum Komponieren anstachelte.

Man stelle sich vor, dass an einem Abend im südlichen Ungarn, bei einer Karaffe Wein der spielfreudige und ehrgeizige, vor Energie und Ideen platzende Kontrabassist Friedrich Pischelberger die beiden Trinkgesellen Ditters(dorf) und Pichl davon überzeugte, dass er zum Solospiel mal wieder etwas Neues brauchte. Er hat sie wirklich dazu gebracht, zunächst ein Kontrabasskonzert zu komponieren. Wie wir alle wissen, blieb es ja bei beiden Komponisten nicht bei nur einem Werk für Solokontrabass.

Von Dittersdorf sind uns auch noch weitere Kompositionen für den Solokontrabass bekannt: „Duetto in Es a Viola e Violone“  und seine „Sinfonia in D a Contra-Basso e Viola concertati“. Das leider verschollene „Große Konzert für elf Instrumente“ was im Dezember 1766 ebenfalls in Großwardein (Nagyárad) uraufgeführt wurde.

Sicher ist das alles der Überredungskunst Pischelbergers zu verdanken.

Alle diese Werke finden sich noch heute in Abschriften im Nachlass Spergers, vorbildlich aufbewahrt in der Musikalienabteilung der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin (Germany).

 Diese Werke, allen Kontrabassisten bekannt, gelten allgemein als die ersten konzertanten Solokompositionen für unser Instrument, sind in den Jahren zwischen 1765 bis 1769 nachweislich in Großwardein (Nagyárad) entstanden und auch dort von Friedrich Pischelberger uraufgeführt worden.

An dieser Stelle muss aber folgendes erwähnt werden: es gibt noch früher entstandene Kompositionen, die den Kontrabass solistisch hervorhoben und zwar von keinem Geringeren als von Joseph Haydn (1732-1809).

Bereits 1761 waren die sogenannten „Tageszeiten“-Sinfonien entstanden. Sie trugen die programmatischen Titel ‚Le Matin‘, ‚Le Midi‘ und ‚Le Soir‘ (‚Der Morgen‘, ‚Der Mittag‘, ‚Der Abend‘) – mit dankbaren Soli für den Kontrabass – jeweils über die ganzen Trio-Teile der Menuett-Sätze.

Diese Soli blieben im Tonumfang im Wesentlichen in den Umfängen der Orchesterlagen.

Kontrabass-Solo aus Haydn-Sinfonie Nr.8 „Le Soir“ („Der Abend“)

Als weiteres – und sicher wäre es das bedeutendste Werk dieser Epoche und dieser Gattung gewesen – muss folgendes Konzert genannt werden: „Concerto per il Violone“ von Joseph Haydn, welches er vermutlich 1763 komponierte.  

Anfangstakte „Concerto per il Violone“ von J. Haydn.

 

Bekanntlich ist dieses Konzert bis heute nicht aufgefunden worden!

Zur Vervollständigung der solistischen und für die Kontrabass-Historie äußerst bemerkenswerten Leistungen Pischelbergers, seien noch seine Beteiligungen an den folgenden Uraufführungen benannt:„Sinfonia concertant für Pianoforte, Mandoline, Kontrabass, Trompete und Orchester“ von Leopold Kozeluch (1747-1818.

Und vor allem seine maßgebende Beteiligung als Kontrabass-Solist bei der Uraufführung der Konzertarie für Bass, obligaten Kontrabass und Orchester „Per questa bella mano“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) im Jahre 1791.

Der unermüdliche Pischelberger wird bei Mozart, wie er es schon bei Dittersdorf, Pichl und Kozeluch getan hat, um ein Kontrabasskonzert nachgefragt haben – und dieser sagte zu einer Komposition für Kontrabass-Solo JA. Da er aber gerade an seiner „Zauberflöte“ arbeitete, kam es nicht zu einem Konzert, sondern einer Arie mit obligatem Kontrabass.

Wir wissen alle, dass diese Arie von dem Sarastro-Sänger Franz Xaver Gerl gemeinsam mit Friedrich Pischelberger 1791 uraufgeführt wurde.

Kein anderer Kontrabassist in der Geschichte unseres Instrumentes, außer Johann Matthias Sperger, hat so viele markante Werke angeregt und uraufgeführt, wie Friedrich Pischelberger – die bis heute im Kontrabass-Repertoire in aller Welt ihren festen Platz haben!

Bemerkenswert und wir halten das fest: nachweislich trat Friedrich Pischelberger in den Jahren ab 1765 (Dittersdorf– und Pichl-Konzerte) bis 1791 (Mozart-Arie) als Solist hervor – immerhin mindestens etwa 25 Jahre lang!

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